Statusworkshop Projekt "InnoLab-Pro" 03.12.2009
Innovationslabor unterstützt Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft
Erste Forschungsergebnisse des Projektes Innovationslabor wurden den Industriepartnern am 03.12.2009 im Rahmen eines Kolloquiums an der TU-Chemnitz präsentiert
Die Fähigkeit von Unternehmen, Innovationen generieren zu können, erhält vor dem Hintergrund eines steigenden Wettbewerbsdrucks sowie kürzer werdenden Produktlebenszyklen eine immer größere Bedeutung. Können Unternehmen ihre Innovationspotenziale optimal nutzen, führt dies zu nachhaltigen Unternehmenserfolgen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verfügen häufig jedoch nicht über ausreichend Ressourcen sowie Know-How zur nachhaltigen Implementierung von Innovationen. Soziale Aspekte von Innovationsprozessen werden häufig vernachlässigt. Aktivitäten der Unternehmen im Bereich des Innovationsmanagements zielen häufig auf die Generierung von Produktinnovationen, wohingegen die Bedeutung von Prozessinnovationen häufig sekundär betrachtet wird. Diese Randbedingungen sächsischer KMU bildeten den Ausgangspunkt für die Forschungen im Rahmen des Projektes Innovationslabor. Ziel des Projektes ist die Etablierung einer Forschungs- und Reflexionsplattform zur interdisziplinären Erarbeitung von Prozessinnovationen im Bereich Produktion und Logistik. Im Rahmen eines Workshops am 03.12.2009 konnten den Industriepartnern des Projektes Innovationslabor erste Forschungsergebnisse vorgestellt werden.
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Den Projektpartnern werden Methoden und Werkzeuge vorgestellt, welche im Rahmen des Innovationslabors Verwendung finden.
Foto: Susan Espig |
Als Alternative zum klassischen Einstieg in einen Workshop mit Vorträgen wurden den Gästen vier Methoden bzw. Techniken vorgestellt, welche ein späterer Bestandteil des Innovationslabors sein werden (siehe Abbildung). So bildet die Anwendung von Planspielen die methodische Grundlage zur Generierung eines gemeinsamen Verständnisses von Prozessen im Bereich Produktion und Logistik in interdisziplinären Teams. In diesem Zusammenhang wurde das Planspiel "Presto" vorgestellt, welches bereits erfolgreich in der Lehre an der Professur für Fabrikplanung und Fabrikbetrieb eingesetzt wird. Lego Serious Play (LSP) der dänischen Firma LEGO wurde als eine zweite innovative Methodik präsentiert, mit Hilfe derer u.a. verschiedene Sichten von Projektbeteiligten auf eine Problemstellung dargestellt und reflektiert werden können. Das ebenfalls präsentierte Planungstool visTable der Chemnitzer Firma Plavis GmbH dient dem Innovationslabor zur partizipativen Planung von Fabriklayouts. |
An einem vierten Präsentationsstand konnten die Workshop-Teilnehmer die innovative Technologie Pick-by-Voice testen, welche der sprachgesteuerten Kommissionierung dient. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung dieser Innovation bei einem Projektpartner sowie deren Auswirkungen auf die bestehenden Prozesse werden im Rahmen des Projektes Innovationslabor näher untersucht. Zum Zwecke der praktischen Untersuchung dieser Technologie und deren Diffusion wird in der Experimentier- und Digitalfabrik (EDF) des Instituts für Betriebswissenschaften und Fabriksysteme (IBF) gegenwärtig eine Testumgebung für Pick-by-Voice installiert.
Im zweiten Teil des Workshops stellten die Mitarbeiter des Innovationslabors den Anwesenden in Form von Referaten den aktuellen Stand der Forschungen im Projekt vor, wobei in den Vorträgen Bezug zu den zuvor präsentierten Methoden bzw. Technologien genommen wurde. Im Rahmen der bereits abgeschlossenen Analysephase erfolgte die Vorstellung der qualitativen und quantitativen Analysen im Projekt. So wurden in einer fragebogenbasierten Studie von Januar bis Juni 2009 insgesamt 67 Mitarbeiter und Führungskräfte aus 48 sächsischen KMU zu den Themen Innovationsverständnis, -strukturen, -methoden, -kultur sowie innovationsförderlichen Rahmenbedingungen befragt. Anschließend erfolgte die Vorstellung der qualitativen Analyseergebnisse sowie der weiteren Vorgehensweise bei den Anwendungspartnern des Innovationslabors, wobei insbesondere Bezug auf die Untersuchungen bei den Firmen Schnellecke Group sowie Riedel-Textil genommen wurde. Die qualitativen und quantitativen Analyseergebnisse bildeten wiederum den Ausgangspunkt für die derzeitige Projektphase der Konzeption von Lösungen des Innovationslabors. In diesem Zusammenhang konnten erste Ansätze zur konzeptionellen Weiterentwicklung des Planungswerkzeuges visTable vorgestellt werden. Die bei einem durch den Projektpartner FESTO Didactic moderierten Workshop erarbeiteten Lösungsansätze für einen Methodenbaukasten des Innovationslabors wurden in einem weiteren Vortrag vorgestellt. Abschließend konnte den Projektbeteiligten ein Ausblick über die weitere Zusammenarbeit im Projekt sowie die angestrebten Ergebnisse gegeben werden.
Im Anschluss an die Vorträge waren alle Projektbeteiligte zu einer Diskussion der vorgetragenen Inhalte eingeladen, welche einige wichtige Hinweise für das weitere Vorgehen im Projekt hervorbrachte. So ist aus dieser Diskussion die Idee der Durchführung eines weiteren Projekt-Workshops mit dem Fokus der Vernetzung und gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen und Methoden entstanden. Mit diesem für Anfang 2010 geplanten Unternehmertreffen wird exemplarisch die Zielstellung einer Innovationsplattform und des interdisziplinären Austausches realisiert, womit wichtige Erkenntnisse für deren spätere Umsetzung im Innovationslabor gewonnen werden können.
(Autoren: Susan Espig, Thomas Schmieder) |
Planspiel verbindet Wirtschaft und Wissenschaft
Nichts ist bekanntlich so gut, dass es nicht verbessert werden könnte. Mit dieser Motivation richtete sich der Blick am 25. und 26. Juni 2009 auf ein produktionsnahes Planspiel, das im Rahmen des Projektes "Innovationslabor Produktion: Logistik, Arbeit und Methoden" (InnoLab-Pro) vom Projektpartner Festo Didactic durchgeführt wurde. Vertreter der Projektunternehmen (AMZ Sachsen und Riedel Textil), Technologiepartner (plavis GmbH), wissenschaftliche Mitarbeiter der beteiligten Professuren Fabrikplanung und Fabrikbetrieb sowie Organisation und Arbeitswissenschaft und Studenten lernten bei realitätsnahen Prozessen zur Herstellung von Varianten eines Pneumatikzylinders "spielend" Innovationen hervorzubringen.
Während des Planspiels wechselten sich Spielrunden und die kritische Reflektion der Rundenergebnisse gegenseitig ab, um schrittweise den exemplarischen Fertigungsprozess hinsichtlich Zeit, Kosten und Qualität weiterzuentwickeln. Der heterogene Hintergrund (z.B. Branchen) der Teilnehmer erwies sich in den Diskussionen als umfassende Quelle innovativer Ideen. Deren direkte Umsetzung in folgenden Spielrunden ermöglichte die direkte Rückkopplung für die Teilnehmer zu den erzielten Effekten und förderte so die Motivation zur kontinuierlichen Verbesserung.
Im Ergebnis soll das angewendete Planspiel in Zusammenarbeit mit den InnoLab-Partnern Festo Didactic und Plavis weiterentwickelt werden, damit es als Werkzeug des Innovationslabors Prozessinnovationen für verschiedene Anwendungspartner durch spielerisch gewonnene Anknüpfungspunkte zur eigenen Unternehmenswelt fördern kann.
Planspiel Syncro - Impressionen
Forschungsaufenthalt Prof. Arvind Singhal

Im Juni 2009 war Prof. Dr. Arvind Singhal im Rahmen der Commerzbank-Stiftungsprofessur zu Gast an der TU Chemnitz. Auf eine Initiative von Dr. Andrea Fried und Dr. Klaus-Peter Schulz hin folgte er der Einladung und unterstützte die TU-Wissenschaftler in Forschung und Lehre. Singhal ist Professor für Kommunikation an der US-amerikanischen University of Texas in El Paso. Einigen Chemnitzer Studierenden ist er bereits bekannt, da er während der
American-African-European Summer School, die im vergangenen Jahr in El Paso stattfand, einige Programmpunkte gestaltete.
Singhal studierte in Indien sowie in den USA und erlangte seinen Ph.D. an der University of Southern California. Er arbeitete anschließend als Dozent an Universitäten in den USA, in Malaysia und Thailand, hielt Vorträge in mehr als 50 Ländern und ist Autor mehrerer Fachbücher. Forschungsschwerpunkte von Singhal sind die interkulturelle Kommunikation, die Diffusionsforschung und Prozesse des sozialen Wandels. "Er war langjähriger Kooperationspartner von Prof. Everett Rogers, einem ausgewiesenen Experten der Diffusionsforschung, der bereits 1996 einen Studentenaustausch zwischen seiner Hochschule und der TU Chemnitz ins Leben rief und selbst zweimal zu Gast an der TU Chemnitz war", berichtet Schulz.
Während seines Aufenthaltes in Chemnitz hat Singhal mehrere Vorlesungen und Seminare gestaltet sowie einen Workshop im Rahmen des InnoLab-Pro - Forschungsprojektes geleitet.
"Transformation of Work" Workshop 2009
Was hat die Managementforschung noch mit der Arbeitspraxis zu tun? Nicht viel, wenn man Prof. Frank Blackler von der Lancaster University glaubt. 2007 initiierte er gemeinsam mit Dr. Klaus-Peter Schulz von der Professur Organisation und Arbeitswissenschaften der TU Chemnitz und Dr. Hannele Kerouso von der Universität Helsinki einen Arbeitskreis zum Thema "Bringing work back in".
Der Arbeitskreis mit Wissenschaftlern aus zehn verschiedenen Ländern traf sich Ende März 2009 zum Thema "Transformation of Work" an der TU Chemnitz. "Chemnitz ist mit seiner Transformationsthematik ein ideales Forschungsfeld für die Veränderung von Arbeit", so Prof. Dr. Rainhart Lang von der Professur Organisation und Arbeitswissenschaften der TU Chemnitz. Diskutiert und theoretisch reflektiert wurden Fallstudien zur Veränderung der Arbeit, unter anderem aus der italienischen Möbelindustrie, vom Schiffsbauer Åker Finnyards, von Electricité du France und dem englischen National Health Service. Dabei haben die Forscher meist über längere Zeit in den Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen mitgearbeitet, um einen vertieften Einblick zu bekommen. "Arbeitstätigkeit kann nicht studiert werden, indem man Momentaufnahmen macht, sondern nur indem man sich längerfristig auf das Arbeitssystem einlässt", so Prof. Philippe Lorino vom ESSEC Paris. Die Vorträge wurden jeweils von einem anderen Workshop-Teilnehmer kommentiert, der sich im Vorfeld mit dem Text des Vortragenden auf den Kommentar vorbereitet hatte. Ein japanischer Doktorand perfektionierte die Methode dahingehend, dass er seinen Betreuer Prof. Takaya Kawamura von der Universität Osaka als Kommentator live per Skype zuschaltete. "Die Gelegenheit, eine derartige Vielfalt von Praxisstudien theoriereflektiert zu diskutieren, bekommt man selten", urteilte Silke Geithner, Doktorandin von Prof. Lang, über die Vorträge. Den Zusammenhang zwischen Arbeitstätigkeit und Innovationsfähigkeit betrachtete Dr. Ralph Riedel (Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb) bei seiner Präsentation des aktuellen Standes des Verbundprojektes InnoLab-Pro.
Damit Arbeitspraxis auch vor Ort diskutiert wird, besuchten die Teilnehmer die Karl Mayer MALIMO GmbH, Textilmaschinenhersteller für industrielle Anwendungen. Dort wurde erörtert, inwiefern Unternehmensentscheidungen Arbeitsprozesse und Mitarbeiterqualifikation beeinflussen. Bei einem Besuch im Pflegepool der Klinikum Chemnitz gGmbH wurde diskutiert, wie sich ein Instrument zur Kompensation von Personalschwankungen als Plattform für Lernen und Qualitätssicherung entwickeln kann.
Ziel des Treffens war neben dem Austausch auch die Initiierung weiterführender Kooperationen. So verweilen derzeit Dr. Hanna Toiviainen und Anu Kajamaa von der Universität Helsinki an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, um unter anderem Kooperationen im Rahmen des Projektes InnoLab-Pro und den Studentenaustausch im Rahmen des Masterprogramms "Management and Organisation Studies" zu vereinbaren.
Veranstaltet wurde der Workshop von der Professur Organisation und Arbeitswissenschaften sowie dem Verbundprojekt InnoLab-Pro.
Auftaktworkshop Projekt "InnoLab-Pro" 2008